VDA: EuGH-Urteil zu NOx-Werten vermittelt falschen Eindruck

VDA-Präsidentin Hildegard Müller hat die Berichterstattung zum Urteil des Europäischen Gerichtshofs kritisiert.

 

4. Juni 2021


Laut dem EuGH habe Deutschland jahrelang nicht genug gegen die hohe Belastung mit Stickoxiden in den Städten getan und damit gegen europäisches Recht verstoßen. Was in der Berichterstattung vergessen werde: Dieses EuGH-Urteil bezieht sich auf vergangene Zeiten. Die Entwicklung der letzten Jahre zeige eine massive Verbesserung der Luft in unseren Städten. Die Abgaswerte der Fahrzeuge hätten sich durch erhebliche Anstrengungen der Autoindustrie sehr deutlich verbessert; das bestätige auch das Umweltbundesamt. Die Hauptursachen für die geringeren NOx-Emissionen sind laut Umweltbundesamt vor allem die Erneuerung der Fahrzeuge und die Software-Updates, die die Motoren weiter optimiert haben. Auf andere Schadstoffquellen hat die Autoindustrie keinen Einfluss.
 
Nach Angaben des UBA wurde 2020 der Jahresmittelgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) von 40 µg/m³ Luft nur noch an rund drei bis vier Prozent der verkehrsnahen Messstationen überschritten. 2019 waren es noch 21 Prozent. Die weitere Marktdurchdringung mit Pkw der modernsten Abgasnormen und der Hochlauf der Elektromobilität werden die NOx-Emissionen weiter absenken.
 
In dieser Woche ist auf dem EU-Verkehrsministerrat – neben vielen anderen Themen – eine Debatte über ein Verbrennerverbot durch einige EU-Mitgliedsstaaten auf die Tagesordnung gesetzt worden. Hildegard Müller: „Wir haben uns klar positioniert: Um die Klimaziele zu erreichen, werden alle Technologien gebraucht. Ein Verbot des Verbrennungsmotors ist kein Mittel für mehr Klimaschutz, denn es verengt die technologischen Optionen und hilft gerade nicht, die weltweit vorhandenen 1,5 Milliarde Fahrzeuge auf neuere Fahrzeuge umzustellen. Eine Diskussion über ein Verbrennerverbot schadet den Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher und verunsichert die Menschen. Der notwendige Austausch der KFZ-Flotte, der erheblich zu besseren CO2-Werten führt, kommt dadurch ins Stocken. Fakt ist: Nicht der Motor ist das Problem, sondern der fossile Kraftstoff.  E-Fuels wären die Lösung. Damit kann der verbleibende Bestand an Fahrzeugen weltweit ebenfalls einen großen Beitrag auf dem Weg zur Klimaneutralität leisten. Überall dort, wo die Elektromobilität keine Alternative ist, wird die Verbrennertechnologie noch gebraucht:  E-Mobilität und emissionsfreie Kraftstoffe ergänzen sich. Wir müssen die Potenziale aller Technologien nutzen und sie nicht gegeneinander ausspielen.“
 
Um E-Mobilität in Deutschland noch schneller nach vorne zu bringen, brauche  es ambitionierte Ziele. Diese hat der VDA in dieser Woche in einem 15-Punkte-Plan für die Zukunft zusammengefasst. Dazu gehört unter anderem: Der Ausbau von mehr als 1 Mio. Ladepunkten bis 2030 – von der Wohnung bis zur Arbeitsstelle. Außerdem soll es eine Preis- und Ökostrom-Garantie für Ladestrom geben. Und bis 2025 sollten rund 150 Mrd. Euro Investitionen in E-Mobilität, neue Antriebe und Digitalisierung fließen.