Saarländische Automobilindustrie im Aufwind-Geschäftslage positiv, aber Dieseldebatte verunsichert

Die saarländische Automobilindustrie blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2017 zurück. Auch die Aussichten für 2018 sind positiv. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des bei der Landesagentur saaris angesiedelten Netzwerks automotive.saarland, das anlässlich des Unternehmertreffens am 22. März 2018 um 11:00 Uhr im VHS-Zentrum in Saarbrücken vorgestellt wird. Während der Veranstaltung sprechen unter anderem Matthias Zink, Automotive-Vorstand der Schaeffler AG, Volker Cwielong, Vice President PKW Europe des Eberspächer-Konzerns und Ministerpräsident Tobias Hans.

 

22. März 2018


An der Umfrage beteiligten sich mehr als 70 Unternehmen aus dem Automotive-Sektor mit insgesamt über 40.000 Beschäftigten. Demnach verbesserte im vergangenen Jahr etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen ihren Umsatz, ein Drittel verzeichnete immerhin stabile Einnahmen. Nur jeder zehnte Betrieb beklagte dagegen rückläufige Zahlen. Im laufenden Geschäftsjahr dürfte sich dieses Verhältnis fortsetzen. So erwartet jedes zweite Unternehmen für 2018 ein Umsatzplus, jedes dritte immerhin eine unveränderte Geschäftsentwicklung. Die Umsatzerwartungen spiegeln den Mitarbeiterbedarf wider. Neun von zehn Unternehmen wollen die Stammbelegschaft erweitern oder halten. Nur knapp ein Zehntel plant eine Reduzierung des Personals. Mit Blick auf das laufende Jahr will jedes dritte Unternehmen der saarländischen Automobilindustrie stärker investieren als 2017. Knapp die Hälfte plant keine Veränderung des Investitionsvolumens. Nur ein Fünftel der Betriebe fährt seine Investitionen zurück. „Die meisten Unternehmen der saarländischen Automobilindustrie befinden sich im Aufwind und planen mit höheren Umsätzen, mehr Beschäftigten und stärkeren Investitionen; das ist eine gute Basis, auf der wir den kommenden Herausforderungen begegnen können“, sagt Dr. Pascal Strobel, Leiter des Netzwerks automotive.saarland.

 

Den automobilen Strukturwandel haben die Unternehmen vor Augen. Bereits heute hat jeder zweite saarländische Automotive-Betrieb Komponenten, Werkzeuge und Anlagen für Elektro- und Hybridfahrzeuge im Angebot. Um die Geschäftsgrundlage zu erweitern und unabhängiger zu werden, plant zudem ein Viertel der Unternehmen eine Verlagerung oder Intensivierung der Marktausrichtung in Branchen außerhalb des Fahrzeugbaus.

 

Dazu Ministerpräsident Tobias Hans: „So erfreulich die aktuellen Zahlen sind ‑ es wäre ein Fehler, sich darauf auszuruhen. Das Autogutachten der Landesregierung vom Herbst vergangenen Jahres hat gezeigt, dass wir uns von dem Schwerpunkt in konventionellen Antriebstechnologien lösen müssen und in den nächsten zehn Jahren neue Produkte entwickeln, neue Märkte für neue Fahrzeugsegmente erschließen und noch stärker auf digitalisierte Produktionstechnologien umstellen müssen. Das heißt, wir werden in den kommenden Jahren zweigleisig fahren müssen: Mit den konventionellen Technologien unternehmerisch erfolgreich sein und den Markteintritt in neue Fahrzeugsegmente schaffen“, so der Ministerpräsident des Saarlandes.

 

Zurückhaltend äußern sich die Unternehmen zur weiteren Entwicklung der Dieseltechnologie. Trotz der Tatsache, dass Dieselmotoren der neuesten Generation ökologisch vorteilhaft sind, erwarten die wenigsten eine kurzfristige Trendwende bezogen auf die derzeit sinkenden Marktanteile. Die Hälfte der Umfrageteilnehmer rechnet sogar mit einem weiteren Rückgang. Allerdings gehen auch gute 40 Prozent von einer Stabilisierung der Diesel-Verkaufszahlen aus.

 

„Neue Dieselfahrzeuge sind sauber und tragen nicht zu den Grenzwert-überschreitungen bei, auf deren Grundlage Fahrverbote diskutiert werden“, sagt Dr. Pascal Strobel. „Schon in wenigen Jahren, wenn die älteste Dieselgeneration von den Straßen verschwunden ist, wird der EU-Stickoxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter überall eingehalten. Man sollte deshalb nicht in teure Hardwarelösungen investieren, die schon bald nicht mehr benötigt werden. Hier gibt es effizientere Bereiche, in denen man etwas für die Umwelt tun kann. Vielmehr sollte ein Moratorium der EU-Grenzwerte diskutiert werden. Die Stickoxid-Emissionen sind seit 1990 um mehr als 60 Prozent zurückgegangen und weiter im Sinkflug. Wir brauchen nur ein wenig Geduld und sollten die Vorteile des Diesels ‑ vor allem den geringeren CO2-Wert – im Blick behalten“, so der automotive.saarland-Leiter.