Mobilität: Quo vadis?

Professor Horst Wieker ist derzeit ein gefragter Mann. Er arbeitet mit seiner Forschungsgruppe Verkehrstelematik der htw saar an der Zukunft der Mobilität, bei der das Saarland zu den Vorreitern gehören möchte. Gesucht werden regionale Unternehmen zur Entwicklung neuer Technologien.

 

26. März 2019


Autonomes Fahren mit 5G-Netz

Der Wissenschaftler arbeitet vor allem in Großprojekten mit Herstellern und Zulieferern, Mobilfunkanbietern, aber auch kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Derzeit stehen sechs Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 20 Mio. € im Mittelpunkt seiner Forschung. In zwei Großprojekten geht es unter anderem um die praktische Umsetzung autonomen Fahrens mit Hilfe des 5G-Netzes und unterschiedlichen Assistenzsystemen. Was sind die Ziele dieser Projekte, bei denen auch Bosch, Volvo, Renault, PSA, Telekom, Ericsson und viele andere mit im Boot sitzen? „Wir werden mit den neu entwickelten Komponenten Verkehrssicherheit, Komfort und Effizienz erhöhen sowie CO2-Emissionen mindern“, so der Professor für Kommunikationstechnologien. Die Innenstadt von Merzig ist das Versuchsgebiet. Mitten im Alltagsverkehr werden zum Beispiel Ampelphasen- und Kreuzungsassistenten getestet. Fußgänger und Autofahrer sollen bei Gefahrensituationen gewarnt werden. Der Autofahrer erhält strategische Informa-tionen, wie er sich am besten in der Stadt, auf dem Land und in Baustellenbereichen verhalten soll. So kann der Verkehrsfluss verbessert und die Verkehrssicherheit erhöht werden. Die ersten Ergebnisse können Autobesitzer schon sehr bald im eigenen Fahrzeug ausprobieren.

 

Lösungen in erreichbarer Nähe

Ein weiteres Großprojekt, das soeben in Kooperation mit dem saarländischen Wirtschaftsministerium startete, ist ein grenzüberschreitendes ÖPNV-Projekt. Geplant ist der Einsatz vollautomatisierter Elektrobusse mit dem Ziel, die arbeitende Bevölkerung im ländlichen Raum der Grenzregion sicher und verlässlich zum Arbeitsplatz zu befördern. Da in Zukunft solche Systeme ohne Fahrer arbeiten, muss gewährleistet sein, dass auch im Falle eines Unfalls oder einer blockierten Bushaltestelle den Passagieren geholfen werden kann. Klingt noch utopisch, doch die interdisziplinären Teams aus Elektrotechni¬kern, Ökonomen, Physikern und Kommunikationsinformatikern, aber auch Hirnforschern, Fahrzeugtechnikern und Logistikern kommen den Lösungen näher.

 

KMU dringend gesucht!!

Gesucht werden regionale Betriebe, die Software oder Elektronik herstellen und sich für das Thema Smart Mobility interessieren.

 

Drei Fragen an Professor Wieker:

 

Ist das Saarland vorne mit dabei?

Die Forscher und Entwickler gehören zu den besten im Land. Um weiter dabei zu sein, müssen wir unsere institutionellen Strukturen an den gesellschaftlichen Wandel anpassen, speziell was die Zusammenarbeit zwischen FH, Uni und Industrie betrifft. „Umparken im Kopf“ ist von allen Beteiligten gefragt.

 

Wie kommen auch kleine Unternehmen zu Aufträgen?

Große Hersteller und Zulieferer schauen genau hin, wenn sie ihre zahlreichen Entwicklungsaufträge an die kleinen, spezialisierten Betriebe vergeben. Die ganze Region mit allen Beteiligten muss für das Thema Smart Mobility brennen. Hervorragende Wissenschaft allein reicht nicht aus. Es benötigt auch viele KMU, die mitmachen. Dann haben wir eine wirklich reale Chance.

 

Wie kann saaris unterstützen?

Wir brauchen mehr Veranstaltungen, auf denen über das Thema berichtet und diskutiert wird. Dann besteht die Möglichkeit, dass weitere Firmen in die Thematik einsteigen und das Saarland eine Vorreiterrolle für Smart Mobility einnimmt. So werden wir für die Wirtschaft auch außerhalb des Saarlandes ein attraktiver Standort.


Ansprechpartner

Dr. Pascal Strobel

Leiter Netzwerk automotive.saarland

Tel.: 0681 9520-492

Fax.: 0681 5846125

E-Mail: pascal.strobel@saaris.de

Prof. Dr.-Ing. Horst Wieker