Die KÜS auf der IAA Pkw in Frankfurt a. M.

10. September 2019


Die Sache mit der Datenhoheit im Fahrzeug

Die Datenflut im Fahrzeug wächst

KÜS fordert Zugang zu Daten für die Fahrzeugüberwachung

Die Zeiten, in denen man an seinem Fahrzeug noch selbst etwas reparieren und instand setzen konnte, sind eigentlich längst vorbei. Inzwischen hat die Elektronik das Regiment weitestgehend übernommen und damit steigt die Datenmenge permanent an, vor allem im Hinblick auf den zunehmenden Einsatz moderner Fahrerassistenzsysteme und die Entwicklung hin zum automatisierten und vernetzten Fahren. Das bedeutet für die KÜS als Kfz-Überwachungsorganisation, dass sie für die gesetzlich vorgeschriebenen Fahrzeugprüfungen Zugang zu den relevanten Daten haben muss, um ihre Aufgabe im Sinne der Verkehrssicherheit für alle zu erfüllen. Hierzu gibt es Voraussetzungen und Forderungen an die Hersteller.

 

In den 1980er und 1990er Jahren wurden die ersten elektronischen Systeme in neuen Fahrzeugen verbaut. Nur der Hersteller konnte Daten dieser Systeme pflegen und auslesen, und nur die seiner Modelle. Durch die verschärften Abgasgrenzwerte wurden die Schnittstelle und die Datenformate normiert, sodass in der Folge über die gesetzlich vorgeschriebene OBD-Buchse (On Board Diagnostic) relevante Werte auch bei der Abgasuntersuchung zur Hauptuntersuchung ausgelesen werden konnten. Allerdings sind meistens nur diese Daten in der für die Überwacher „lesbaren“ Klarsprache vorhanden, andere Informationen sind häufig herstellerspezifisch formatiert. Für sie ist dann eine spezielle Übersetzung notwendig, an der unter anderem auch die KÜS arbeitet.

 

Aus Gründen der Cyber-Security beginnen einige Hersteller, die nicht gesetzlich geregelten Informationen zu verschlüsseln, um den Zugriff auf die Schnittstelle und die Daten gegen den Zugriff Unberechtigter zu unterbinden.

 

Als Argument für diese Verschlüsselung dienen Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, bei denen es u. a. über einen Fehler im Infotainmentsystem möglich war, den Motor während der Fahrt zu stoppen. Es ist davon auszugehen, dass alle Fahrzeughersteller ihre Daten verschlüsseln werden.

 

Für die KÜS und alle Fahrzeug-Überwachungsinstitutionen muss der Zugang zu den prüfungsrelevanten Daten jedoch ermöglicht werden. Dazu gibt es klare Forderungen. Die KÜS fordert einen freien, uneingeschränkten Zugang zu allen Daten, die für die gesetzlich geregelten Fahrzeugprüfungen und deren Weiterentwicklung unabdingbar sind. Dies betrifft im Sinne der Verkehrssicherheit die Überwachungsinstitutionen, das Kfz-Gewerbe und nicht zuletzt die Verkehrsteilnehmer. Die übermittelten Daten müssen dann auch zwingend unverfälscht sein. Hierbei geht es auch um Unfalldaten. Diese weisen etwa den Sachverständigen auf eventuelle Vorschäden hin und vermitteln einen konkreteren Blick auf die technische Beschaffenheit des Fahrzeuges über das gesamte Autoleben. Die Datenhoheit muss beim Fahrzeughalter liegen. Daher ist ein Datenmonopol der Hersteller kontraproduktiv, es enthält allen mit dem Fahrzeug Befassten wichtige Daten vor. Die Systeme müssen über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeuges geprüft werden können. Inzwischen ist eine Anpassung der Daten durch die Hersteller auch ohne Werkstattaufenthalt möglich.

 

Mit dem sogenannten Over-the-Air-Verfahren können Funktionen und Daten geändert werden, ohne dass der Halter oder andere davon etwas erfahren. Daher ist auch eine unabhängige Dokumentation und Überprüfung der aktuellen Softwareversionen und von Updatevorgängen unbedingt notwendig. Es sollte die Möglichkeit einer zusätzlichen anlassbedingten Untersuchung geben. So können egal zu welchem Zeitpunkt auftretende Fehler in den Fahrassistenzsystemen und denen für Umwelt und Sicherheit entdeckt werden. Daraus resultiert ein Gewinn an Sicherheit. Mit Over-the-Air ist das kein Problem. „Wir sehen bei den sehr schnell voranschreitenden Technologien im Bereich des automatisierten Fahrens Handlungsbedarf. Die Überprüfung der Fahrzeuge durch die Prüforganisationen muss möglich sein“, so Peter Schuler. Ein Lösungsansatz für den Zugang zu Fahrzeugdaten ist aus unserer Sicht ein sogenanntes Trust-Center. So kann die Speicherung und Verwaltung über eine neutrale, von den Herstellern unabhängige Fahrzeugdatenplattform erfolgen. Diese soll von einer beliehenen, also hoheitlichen Stelle betrieben werden.

 

Gefordert wird eine Zertifizierung des gesamten Weitergabeprozesses von Fahrzeugdaten. Ausschließlich Befugte bekommen so Zugang zu den Daten der herstellerunabhängigen Fahrzeugdatenplattform. Eine Standardisierung wird mittelfristig angestrebt, ebenso die Verankerung in den internationalen Typgenehmigungsvorschriften von Fahrzeugen. Auch im Bereich der Prüfung von Nutzfahrzeugen (Lkw) und Zweirädern ist der Zugang und die Nutzung der Fahrzeugdaten erforderlich. Hier ist die KÜS ebenfalls bereits tätig.

 

KÜS: Wohin geht die Reise bei der Kalibrierung der Messmittel für die Fahrzeugüberwachung?

Doppelprüfung der Messmittel derzeit Stand der Dinge Verordnungsgeber soll

Alternative zu Doppelprüfung schaffen

 Messmittel, die in der Fahrzeugprüfung, also etwa bei der Hauptuntersuchung, eingesetzt werden, müssen auf ihre Zuverlässigkeit hin regelmäßig kontrolliert werden. Sie haben, so die Textpassage in der Akkreditierungsnorm, „einen signifikanten Einfluss auf die Inspektionsergebnisse.“ Die regelmäßige Kontrolle ist also begründet.

 

Die sogenannte Stückprüfung ist in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung seit vielen Jahren verankert. Sie beinhaltet messtechnische Inhalte und teilweise Arbeitsschutzaspekte. Es besteht dazu parallel das Mess- und Eichwesen, das für eine gleichmäßige Behandlung und den Schutz des Verbrauchers sorgen soll. Im Bereich der Fahrzeugüberwachung sind davon wiederkehrend betroffen Abgasuntersuchungsgeräte, Manometer, Schallpegelmessgeräte, schreibende Bremsmessgeräte. Während vor 2015 für die Akkreditierung der Kfz-Überwachungsorganisationen als Inspektionsstelle durch die Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) Stückprüfung oder Eichung ausreichten, gibt es seit 2016 zusätzlich die Kalibrierung der Messmittel, welche einen signifikanten Einfluss auf die Inspektionsergebnisse hat. Die Kalibrierung wurde schrittweise eingeführt und umfasst unter anderem die Kalibrierung von Bremsenprüfständen, Scheinwerfer-Einstell-Prüfsystemen, Abgasmessgeräten und dem HU-Adapter.

 

Stückprüfungen und Eichungen wurden nicht mehr als Rückführung in einem Akkreditierungsverfahren anerkannt, sind aber dennoch weiterhin vorgeschrieben. Man muss dazu wissen, dass für die Anerkennung als amtlich anerkannte Kfz-Überwachungsinstitution diese Akkreditierung vorhanden sein muss, daher findet in der Realität also eine Doppelprüfung statt. Die Akkreditierungsnorm für Inspektionsstellen – als solche werden Überwachungsorganisationen im Sinne der Norm betrachtet – verweist auf die Norm für Kalibrierlabore. Somit müssen sich die Überwachungsorganisationen im Rahmen ihrer Messtätigkeit faktisch wie Kalibrierlabore verhalten. Da die für die Kalibrierungen nötigen Laborkapazitäten fehlten, wurde eine Übergangsfrist geschaffen. Teilweise mussten von den Laboren und Überwachungsorganisationen erst Kalibrierverfahren entwickelt werden, die dann wiederum durch die DAkkS begutachtet und akkreditiert wurden. Dazu kam die Suche nach qualifiziertem oder zu qualifizierendem Personal, das die Kalibrierung in den Prüfhallen und Werkstätten durchführen konnte.

 

Teilweise gestaltet sich die Beschaffung und Kalibrierung der für unsere Dienstleistungen erforderlichen Messmittel und Referenzmaterialien immer noch schwierig. Für die KÜS wurde die DIQ Zert GmbH tätig. Sie entwickelte, assistiert vom Technischen Dienst der KÜS, der KÜS Technik GmbH, in relativ kurzer Zeit die erforderlichen Kalibrierverfahren, die auch von der DAkkS akkreditiert wurden. Die Stückprüfung und Kalibrierung oder Eichung und Kalibrierung überschneiden sich in ihren Inhalten, sind aber dennoch nicht direkt übertragbar. Diese Doppelprüfungen verursachen Kosten und können in Extremfällen unterschiedliche Ergebnisse liefern. Die Situation ist unbefriedigend für alle Beteiligten. Hier ist der Verordnungsgeber gefordert, einen Rechtsrahmen für eine gangbare Alternative zu dieser aktuellen, nur schwer nachvollziehbaren Doppelqualifizierung im Bereich des Kraftfahrwesens zu schaffen.

 

KÜS: Liberalisierung des § 21 StVZO für die Sachverständigenorganisation KÜS ein Zugewinn

Neue berufliche Heimat auch für amtlich anerkannte Sachverständige Anwendersoftware mit vollem Funktionsumfang bereits vorhanden

Im Frühjahr des Jahres 2019 war es soweit, der § 21 wurde liberalisiert. In der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) regelt er die Betriebserlaubnis für Einzelfahrzeuge. Mit der Entscheidung des Bundesrates sind jetzt auch vom Kraftfahrt-Bundesamt für das Gesamtfahrzeug benannte Technische Dienste berechtigt, die erforderlichen Gutachten durchzuführen. Diese Tätigkeit war bisher einzig der Technischen Prüfstelle und dort dem amtlich anerkannten Sachverständigen vorbehalten.

 

Die KÜS erweitert nun über die KÜS Technik GmbH, den Technischen Dienst der KÜS, ihr Dienstleistungsangebot. Mit der Neueinführung des europäischen Einzelgenehmigungsverfahrens bereits vor 10 Jahren hat die KÜS für sich erkannt, die bis dahin der Technischen Prüfstelle vorbehaltene Tätigkeit im Rahmen des § 21 StVZO für sich zu ermöglichen. Vorhanden waren bereits Erfahrungen im Bereich Typgenehmigungen, über internationale Einzelgenehmigungsverfahren für Fahrzeuge aber auch für bereits im Markt befindliche Fahrzeuge. „Viele Gespräche mit wichtigen Entscheidern brachten früh Klarheit, dass die Liberalisierung des § 21 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung letztendlich nur über eine europäische Regelung, also über die Technische Prüfstelle, zu erreichen war.

 

Die KÜS gründete somit bereits 2010 ihren Technischen Dienst und baute ihn konsequent auf “, so Peter Schuler, Bundesgeschäftsführer der KÜS. Mit der Gründung des Technischen Dienstes war somit der Grundstein für die kommende Erlaubnis der Durchführung von Begutachtungen nach § 21 der StVZO gelegt. Seit März 2019 ist, autorisiert vom nationalen Recht, im Bereich des § 21 der Technische Dienst jetzt in seiner Tätigkeit der Technischen Prüfstelle gleichgestellt. Die KÜS kann damit ihr Geschäftsfeld merklich ausbauen. Amtlich anerkannte Sachverständige können jetzt bei der Überwachungsorganisation als Prüfingenieur und beim Technischen Dienst als Zeichnungsberechtigte für den § 21 der StVZO tätig sein. Damit haben sie jetzt die Möglichkeit, sich auf freiberuflicher Basis bei der KÜS neu zu orientieren. Natürlich haben auch die eigenen langjährigen Sachverständigen die Möglichkeit, sich im Technischen Dienst weiter zu qualifizieren. Die neue Dienstleistung soll flächendeckend in allen Bundesländern angeboten werden. Es ist jedoch nicht notwendig, dass jeder Sachverständige der KÜS die erforderliche Ausbildung zum Zeichnungsberechtigten durchläuft.

 

Die Erfüllung beider Tätigkeiten bringt einen erhöhten Einsatz vor allem an Zeit mit sich. Wer also bei den amtlichen Fahrzeugprüfungen in einem festen Zeitplan eingebunden ist, sollte wissen, dass die zusätzlich angestrebte Tätigkeit als Zeichnungsberechtigter im Bereich des § 21 StVZO einen ebenfalls umfangreichen Arbeitsinhalt hat. Es ist daher in jedem Fall für den Sachverständigen eine Überlegung wert, Schwerpunkte zu setzen. Als mit entscheidender Faktor für die erfolgreiche Aufnahme der Tätigkeit der KÜS-Zeichnungsberechtigten nach § 21 StVZO im Technischen Dienst der KÜS kann auch die Tatsache angesehen werden, dass in der hauseigenen Arbeitssoftware KE bereits alle notwendigen Anwendungen für die Erstellung der Gutachten vorhanden sind, und dies qualitätsgesichert. Seit Jahren hat die Software der KÜS einen hohen Stellenwert in der Branche und wird viel beachtet. Bereits heute ist es schon möglich, dass die Zulassungsbehörden die erstellten Gutachten nach § 21 StVZO direkt im eigenen Rechenzentrum der KÜS abrufen können. „Hervorzuheben ist, dass die KÜS jetzt auch amtlich anerkannten Sachverständigen eine berufliche Heimat bieten kann, mit allen Vorteilen einer starken Sachverständigen- und Kfz-Prüforganisation.

 

Dabei überzeugt meiner Meinung nach unter anderem die Tatsache, dass wir bereits über eine sehr gute Anwendersoftware verfügen. Eine weitestgehende Gleichstellung der freiberuflich tätigen Sachverständigen der KÜS mit den Kollegen aus den Angestelltenorganisationen ist gegeben“, so der Bundesgeschäftsführer der KÜS, Peter Schuler. Bildunterschrift: Die Prüfungen zum § 21 StVZO sind sehr umfangreich.

 

Quelle: KÜS