Automotive-Umsatz von Bosch wächst auf 47 Mrd. Euro

4. Februar 2019


Die Robert Bosch GmbH blickt 2018 auf eine positive Entwicklung seines Unternehmensbereichs Mobility Solutions. Die Geschäftseinheit legte 2018 erneut stärker zu als die weltweite Automobilproduktion. Die Erlöse stiegen nach vorläufigen Zahlen um 2,3 Prozent auf 47 Milliarden Euro. Das ist ein wechselkursbereinigtes Plus von 4,7 Prozent. In Homburg fertigt der Konzern unter anderem Komponenten für Dieselsysteme und die Mobilhydraulik.

 

„Bosch will sich 2019 in absehbar schwierigem Umfeld besser entwickeln als die relevanten Märkte und das hohe Ergebnisniveau absichern“, sagt Prof. Dr. Stefan Asenkerschbaumer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung und für Finanzen verantwortlich. „Wir wollen unsere Wettbewerbsfähigkeit in allen Bereichen weiter steigern, um so den Ausbau unserer Technologieführerschaft und damit unsere Zukunft zu finanzieren.“

 

Ein Schwerpunkt der Forschungs- und Entwicklungsarbeit ist das automatisierte Fahren. Auf dem Weg zur unfallfreien Mobilität verfolgt Bosch zwei Entwicklungspfade: Fahrerassistenzsysteme werden das teilautomatisierte Fahren für Privatfahrzeuge ermöglichen (Autonomiestufen 2 und 3). Bereits in diesem Jahr wird das Unternehmen zwei Milliarden Euro Umsatz mit Systemen für Fahrerassistenz erzielen. Der zweite Entwicklungspfad führt zum fahrerlosen Fahren ab Anfang der kommenden Dekade (Autonomiestufen 4 und 5). „Das fahrerlose Fahren wird zum Game Changer für die individuelle Mobilität. Es wird disruptive Geschäftsmodelle wie Robotaxis und Shuttle-Mobilität ermöglichen“, sagt Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Aufgrund der technischen Komplexität sieht der Bosch-Chef in der Automatisierung einen künftigen Investitionsschwerpunkt: „Allein bis 2022 rechnen wir mit Vorleistungen in Höhe von vier Milliarden Euro.“ Rund 4 000 Entwickler arbeiten bei Bosch am automatisierten Fahren.

 

Die Marktpotenziale des automatisierten Fahrens sind riesig. Um 50 Prozent wird der Personenverkehr bis 2030 gegenüber 2015 wachsen (Quelle: ITF). Für die nächsten zehn Jahre erwarten Analysten daher beim automatisierten Fahren ein Marktvolumen für Hard- und Software von rund 60 Milliarden US-Dollar (Quelle: Roland Berger). Bereits 2025 sollen weltweit 2,5 Millionen überwiegend fahrerlose On-Demand-Shuttlebusse unterwegs sein (Quelle: Roland Berger). Der Umsatz mit Sharing-Mobilität soll bis 2035 auf fast 160 Milliarden US-Dollar steigen (Quelle: BCG). Bosch wird für diese Form der Mobilität sowohl Technik als auch Services anbieten. Das Bosch Ecosystem für Mobilitätsdienste beinhaltet bereits heute Services für Buchung, Bezahlung, Parken, Laden, Verwaltung, Wartung und Infotainment. Zu diesen Services gehört auch Convenience Charging, eine vernetzte Navigations- und Ladelösung für Elektrofahrzeuge. Erster Serienkunde ist der deutsche Elektrofahrzeughersteller Sono Motors. „Mit unseren vernetzten Lösungen machen wir Elektromobilität alltagstauglich“, sagte Denner.

 

2018 hat Bosch 30 Elektromobilitäts-Projekte im Volumen von mehreren Milliarden Euro akquiriert. Bis 2025 will das Unternehmen den Umsatz im Bereich der Elektromobilität auf fünf Milliarden Euro verzehnfachen. „Wir wollen Marktführer im Massenmarkt für Elektromobilität werden“, erklärte Denner. Kein Unternehmen ist in der Elektromobilität so breit aufgestellt wie Bosch. Vom Fahrrad bis zum Lkw elektrifiziert Bosch alles. Beispielsweise sind bereits heute mehr als eine Million Fahrzeuge weltweit mit Elektro- oder Hybridkomponenten von Bosch unterwegs. Denner weiter: „Künftig gilt: Kein Elektroauto ohne Bosch.” Das gilt insbesondere für den weltweit größten Elektromobilitäts-Markt China. Dort ist das Unternehmen im Pkw-Bereich bereits Marktführer. Mit dem chinesischen Elektroauto-Unternehmen NIO hat Bosch kürzlich eine strategische Kooperation für das automatisierte und elektrische Fahren vereinbart. In China beginnt 2019 zudem die Serienfertigung der eAchse, einem besonders kompakten Antrieb für Elektroautos. Vor wenigen Wochen startete die Großserienproduktion einer neuartigen 48-Volt-Batterie. Schon 2030 werden weltweit 20 Prozent der Neufahrzeuge mit einem 48-Volt-System teilelektrifiziert sein. Mit der vollständigen Übernahme der EM-motive GmbH stärkt Bosch zudem seine Position im global stark wachsenden Markt für Elektromotoren.

 

Bis 2030 wird sich der weltweite Warentransport fast verdoppeln (Quelle: ITF). „Wir wollen einen Lastverkehr, der weder für das Klima noch für die Luftqualität eine Last ist. Schlüssel ist auch hier die Elektrifizierung“, sagte Denner. Bereits 2030 soll jedes vierte neue Nutzfahrzeug zumindest teilelektrisch angetrieben sein, in China nahezu jedes dritte. Davon wird auch Bosch profitieren. Zum Produktportfolio des Unternehmens für emissionsfreien Warenverkehr gehören 36-Volt-Antriebe für Cargo-Bikes, E-Antriebe für leichte Nutzfahrzeuge wie dem Streetscooter, eAchsen für leichte und schwere Transporter, elektrifizierte Achsen für Lkw-Sattelanhänger sowie künftig Brennstoffzellen-Antriebe für 40-Tonner. „Ob teilelektrisch, vollelektrisch, batterieelektrisch oder Brennstoffzelle – wir sind bereit für den Markt“, betonte der Bosch-Chef.

 

Eine zentrale Kernkompetenz der Zukunft sieht Denner in der industriellen Anwendung künstlicher Intelligenz (KI): „Bis Mitte der kommenden Dekade sollen alle Produkte von Bosch über KI verfügen, mit ihr entwickelt oder produziert worden sein. Zwar dominieren amerikanische und chinesische Unternehmen bei KI für die Konsumindustrie“, so der Bosch-Chef. „Aber ohne Domänenwissen zu Verkehr, Industrie oder Gebäude bleibt ihr Potenzial hinter dem der industriellen KI zurück.“ Für Bosch sieht Denner anspruchsvolle Ziele: „Wir wollen als Innovationsführer KI selbst beherrschen und zur Weltspitze gehören.“ Dazu plant Bosch, bis 2021 die Anzahl der 1 000 KI-Experten im Unternehmen auf 4 000 zu vervierfachen.

 

An nahezu 150 Projekten arbeiten die Mitarbeiter des Bosch Center for Artificial Intelligence. Ein Beispiel ist das Sensorsystem SoundSee. „Der Algorithmus von SoundSee verwendet maschinelles Lernen, um zu hören, was defekt ist“, erklärte Denner. Es soll Maschinenausfälle präzise vorhersagen und so Wartungskosten reduzieren sowie Produktivität steigern. Schon Mitte des Jahres wird es in der Internationalen Raumstation ISS zum Einsatz kommen. Kommerzielle Anwendungen sieht Bosch in Industrie, Gebäude und Fahrzeugbau. Ein weiteres Beispiel für die Fortschritte im Bereich KI ist eine Multifunktionskamera für das automatisierte Fahren, die Bildverarbeitungsalgorithmen mit Methoden der KI verbindet. Das Ergebnis: Eine intelligente Kamera fürs Auto, die beispielsweise Fußgänger sehen und gleichzeitig ihr Verhalten erkennen sowie vorhersehen kann.