12. Unternehmertreffen der saarländischen Automobilindustrie

Auf dem 12. Unternehmertreffen des Netzwerks automotive.saarland stand erneut die Zukunft der Automobilindustrie im Fokus. Langsam wird das Bild klarer, wo die Reise hingehen könnte. Vorstände erfolgreicher und spezialisierter Zulieferer sprachen über Elektromobilität, Diesel und schadstoffarmes Fahren.

 

26. März 2018


„Die meisten der 260 Unternehmen der saarländischen Automobilindustrie befinden sich im Aufwind und planen mit höheren Umsätzen, mehr Beschäftigten und stärkeren Investitionen. Das ist eine gute Basis, auf der wir den kommenden Herausforderungen begegnen können“, sagt Dr. Pascal Strobel, Leiter des Netzwerks automotive.saarland zu Anfang der Veranstaltung. Er wünscht sich die Diskussion über ein Moratorium der EU-Grenzwerte. Die Stickoxid-Emissionen seien seit 1990 um mehr als 60 Prozent zurückgegangen und weiter im Sinkflug. „Wir brauchen nur ein wenig Geduld und sollten die Vorteile des Diesels vor allem den geringeren CO2-Wert – im Blick behalten“, so der automotive.saarland-Leiter.

 

„Ministerpräsident Tobias Hans: „Wir werden in den kommenden Jahren zweigleisig fahren müssen.“

 

Den automobilen Strukturwandel haben die Unternehmen vor Augen. Bereits heute hat jeder zweite saarländische Automotive-Betrieb Komponenten, Werkzeuge und Anlagen für Elektro- und Hybridfahrzeuge im Angebot. Um die Geschäftsgrundlage zu erweitern und unabhängiger zu werden, plant zudem ein Viertel der Unternehmen eine Verlagerung oder Intensivierung der Marktausrichtung in Branchen außerhalb des Fahrzeugbaus. Ministerpräsident Tobias Hans dazu in seinem Grußwort: „Wir werden in den kommenden Jahren zweigleisig fahren müssen: Mit den konventionellen Technologien unternehmerisch erfolgreich sein und den Markteintritt in neue Fahrzeugsegmente schaffen“.

Automobilindustrie benötigt die richtigen Rahmenbedingungen, eine funktionierende Infrastruktur und Energiekette, angemessene Grenzwerte sowie eine produktive Technologiediskussion.

 

  Matthias Zink, Vorstand Automotive der Schaeffler AG, sprach beim Unternehmertag über die konkreten Zukunftspläne des weltweit tätigen Automobilzulieferers: „Wir identifizieren neue Geschäftsfelder wie umweltfreundliche Antriebe, urbane und interurbane Mobilität sowie die Energiekette“. Dass die Elektromobilität komme, darin seien sich alle einig. Genauso wie das Wissen, dass sich alle ändern müssten. Ein Beispiel dafür: „Bei der Elektroantriebeherstellung muss man Elektromotoren kennen und sie zukünftig vielleicht sogar selbst bauen“. Damit ist für Matthias Zink nicht der Wandel in der Antriebsart die Herausforderung sondern der Wettbewerb zwischen den derzeitigen Kunden und Lieferanten. Schaeffler sieht es als Chance, bessere Lösungen als die OEMs zu finden. Genau wie Volker Cwielong, Vice President von Eberspächer Exhaust Technology GmbH & Co. KG, der danach über Emissionsarme Mobilität durch konventionelle Antriebe mit moderner Abgastechnologie sprach, forderte Zink von der Politik die richtigen Rahmenbedingungen, eine funktionierende Infrastruktur und Energiekette, angemessene Grenzwerte sowie eine produktive Technologiediskussion. Eberspächer geht davon aus, dass seine entwickelte, optimierte Abgasreinigung beim Diesel durch ein SCR-System mit zweifachem AdBlue und ein schnelleres Anspringen des Katalysators die Einhaltung der künftigen Euro7-Richtlinie garantiere. Eine Versachlichung der Diskussion auf der Basis von Fakten und weniger Panikmache wünscht sich der global agierende Zulieferer, der in Neunkirchen 1100 Mitarbeiter beschäftigt.

 

automotive.saarland informiert und vernetzt

 

Das Interesse beim Publikum war groß. Viele informierten sich bei der begleitenden Ausstellung über technische Innovationen. Kleine Start-Ups wie die Gindumac Gmbh aus Kaiserslautern suchten Kooperationspartner und nahmen das Netzwerkangebot der saaris dankend an. Und auch Studenten wie Philipp Motsch von der TU KL erhofften sich fachlichen Input für ihre Masterarbeiten.