Zukunftsstudie zum Autoland-Saarland veröffentlicht

24. November 2017


Das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln Consult (IW Köln) und das Fraunhofer IAO in Stuttgart haben im Auftrag der Staatskanzlei und des bei saaris angesiedelten Branchennetzwerks automotive.saarland eine Studie zu den Herausforderungen und Perspektiven des Automobilstandortes Saarland herausgegeben. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger stellten die Ausarbeitung gemeinsam mit den Gutachtern der Öffentlichkeit vor. Auf Grundlage von 70 Tiefeninterviews mit Führungskräften der im Saarland aktiven Unternehmen und Institute im Fahrzeugbau liegt nun eine fundierte Bestandsaufnahme der Branche im Land vor. Zu den mitwirkenden Branchenexperten gehörten u.a. VDA-Vizepräsident Arndt Kirchhoff, Ford-Werke-Chef Gunnar Herrmann und Michelin Deutschland-Chef Jürgen John.

 

Der Fahrzeugbau mit 260 Herstellern, Zulieferern und Ausrüstern stellt im Saarland mit über 44.000 Mitarbeitern die Hälfte aller Industriebeschäftigten. 16,9 Mrd. € Umsatz und 4,8 Mrd. € Wertschöpfung sind die beeindruckenden Ergebnisse der Gutachter. Die Unternehmen des Clusters sind dabei stark in Wertschöpfungsketten außerhalb des Saarlandes eingebunden. Diese ziehen eine zusätzliche Wertschöpfung von 6,6 Mrd. € und über 100.000 Arbeitsplätze in anderen Bundesländern nach sich. Entsprechend ist es von regionalem und überregionalem Interesse, wie sich die in der Studie aufgenommenen Marktanteile saarländischer Unternehmen entwickeln. Die Studie führt deren Hochrechnung ins Jahr 2030 und verwendet unterschiedliche Szenarien, wie sich die Anteile von Fahrzeugen mit konventioneller und neuer Antriebtechnologie entwickeln werden. Daraus wird das Umsatzpotential abgeleitet. In einem Basisszenario wird angenommen, dass der Fahrzeugmarkt bis zum Jahr 2030 auf 120 Millionen Fahrzeuge anwachsen wird. 74% der neu zugelassenen Fahrzeuge sollen dann immer noch mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet werden - ein Drittel davon als Hybridversion in Kombination mit einem Elektroantrieb. Die restlichen 26% verteilen sich auf batterieelektrische und brennstoffzellengetriebene Fahrzeuge. Entsprechend dieser Prognose, könnte die saarländische Automobilindustrie bei stabilem Marktanteilen ein Wachstum von rund 5,4 Mrd. € erwarten. Dem gegenüber stellt die Studie in einem disruptiven Szenario die hundertprozentige Produktion von Elektrofahrzeugen im Jahr 2030 - auch wenn dies von keinem Experten der Branche erwartet wird. In diesem Fall würde der Umsatz der saarländischen Automobilindustrie im Vergleichszeitraum um rund 1 Mrd. € fallen.

 

Die Gutachter raten dem Saarland, in den kommenden 10 Jahre die Weichen für den automobilen Strukturwandel zu stellen und dazu die Stärken des Standortes aktiv zu nutzen. Dazu zählen laut Studie neben einer hohen Industrieakzeptanz in Politik und Bevölkerung insbesondere Exzellenzen in der industriellen Fertigung, eine gute Forschungsinfrastruktur im Grundlagenbereich und niedrigere Arbeitskosten im Vergleich zu anderen Bundesländern. In insgesamt sieben Handlungsfeldern werden konkrete Maßnamen vorgeschlagen. Diese reichen von gezielten Hilfen für Unternehmen bei der Erschließung neuer Märkte, neuen Formaten bei der Verwertung von FuE-Ergebnissen bis hin zu einer Digitalisierungsroadmap. Das Land will daraus eine konkrete Strategie zur Bewältigung der Herausforderungen des automobilen Strukturwandels im Saarland ableiten.